• 1.) Was ist an der 3-Teile-Regel so wichtig?

    Es ist eine klare Mengenbegrenzung für die Abholenden. Das könnte auch eine 2- oder eine 4-Teile-Regel sein, aber die Begrenzung hat sich als nötig erwiesen. Die meisten Menschen würden den Umsonstladen nicht ausnutzen, aber ohne Mengenbegrenzung würde er schnell mehr und mehr Menschen anziehen, die das locker verknüpfte Geben und Nehmen als Gelegenheit zum Zusammenraffen von allem "Wertvollen" missbrauchen. In einer Welt, in der fast alles einen abstrakten Wert bekommen hat, können die Dinge nur dann als bloß nützliche genommen werden, wenn verhindert ist, dass Einzelne alles zusammenraffen. Wer die 3-Teile-Regel formal beachtet, aber dauerhaft nur nimmt, muss ja selbst immer wieder kommen. Dann steigen unsere Chancen, die betreffende Person freundlich-sachlich auf ihr Verhalten ansprechen zu können.

  • 2.) Warum wollt ihr keine bezahlten "Stellen" oder irgendwelche andere Bezahlung für die Umsonstladen-Aktiven?

    Wir verstehen den Umsonstladen als einen Teil einer Projektgemeinschaft, bei dem Menschen Schritt für Schritt ihr Wirtschaften in ihre eigenen Hände nehmen. Wir wollen keine Erwerbsarbeitsstellen schaffen, auch nicht mit Staatshilfe. Wenn jemand für seine Tätigkeit im Umsonstladen oder in den anderen Teilprojekten bezahlt wird und andere nicht, dann würden große Probleme entstehen: Die eine macht dieselbe Tätigkeit 'umsonst', der andere wird für dieselbe Tätigkeit bezahlt. Auf dieser Grundlage ist es zwar möglich, das Funktionieren eines Umsonstladens zu gewährleisten. Aber es ist nicht möglich, eine wachsende Zahl von Menschen zur Mitarbeit im Sinne einer gegenseitigen Hilfe, die mehr ist als ein "Ehrenamt", zu gewinnen.

    Die Dresdener Umsonstladen-Aktiven haben mit ihrem Projekt 'Abfallgut' genau diese Erfahrung gemacht. Wer "Stellen" schaffen will, hat kaum eine Möglichkeit, über diese bezahlten Stellen hinaus Menschen zu aktivieren.

  • 3.) Warum versucht ihr eure Grundkosten so niedrig wie möglich zu halten? Warum finanziert ihr euch 100% aus Beiträgen der Aktiven, eigenen Mitteln und den Kleinspenden der NutzerInnen?

    Wir wollen unabhängiger werden von den Einflüssen von Waren und Geld. Deshalb gehen wir seit Jahren so wenig Grundkosten wie möglich ein. Dadurch, dass wir uns überwiegend aus vielen Kleinspenden (für die Raummieten) finanzieren, sind wir nur von denen finanziell abhängig, die durch ihre Aktivität das Ganze ohnehin tragen. Großspenden und Unterstützung des Staates für unsere Grundkosten lehnen wir ab. Die Beiträge der Aktiven (3 Euro pus X monatlich, je nach "Vermögen") bedeuten, dass jede/r auf der Geldebene das beiträgt, was er/sie kann. Nur 100 Prozent Eigenfinanzierung und eine kleine Reserve ermöglichen uns längerfristig einen erwerbsarbeitskritischen, basisaktivierenden Kurs zu steuern.

  • 4.) Wie geht ihr mit Leuten um, die dauerhaft den Umsonstladen nur als Ort zum 'Schnäppchenjagen' missverstehen?

    Wer deutlich mehr als drei Teile nimmt, wird gebeten, sich zu beschränken. Im Einzelfall ist der Umgang mit den Leuten, die sich unseren Erklärungsversuchen verschließen, nicht einfach. Einerseits versuchen wir, möglichst wenig Leute gegen uns aufzubringen. Andererseits müssen wir im Interesse des Ganzen immer wieder klare Grenzen setzen. Wir sprechen also von einer "Gratwanderung".

    Bei Leuten, die trotz mehrfacher Erklärung sich als nur "vom Stamme Nimm" erweisen, verwandelt sich die Spende in einen 'Pflichtbeitrag'. Es wird jedoch niemand direkt abgewiesen. Allerdings nimmt in solchen Fällen unsere Freundlichkeit meist ab ...

    Nur wer mehrmals offensiv und aggressiv gegen die 3 - Teile -Regel verstößt, oder direkt klaut, bekommt einen "halbjährigen Urlaub" ausgesprochen, soll also erst einmal nicht mehr kommen.

  • 5.) Was macht ihr, wenn zu viel Frauenkleidung und Bücher reinkommen?

    Wir bitten die NutzerInnen 'mitzudenken'; wir erklären, dass wir so viel davon nicht lagern können. Auch wird unsere bunte Mischung von noch nützlichen Dingen sonst zu einseitig. Das verstehen viele. Besonders wenn sie vorher anrufen, können wir sie bitten, diese besonders überzähligen Sachen uns nicht so viel zu bringen. Was an Kleidung trotzdem zu viel wird, bekommen caritative Projekte. Erst wenn das nicht mehr geht, bekommt der Recyclinghof etwas.

  • 6.) Warum versorgt ihr Aktiven euch auch selbst mit den Sachen?

    Es ist uns ganz wichig, dass auch die hier Aktiven den Umsonstladen für sich nutzen. Wir möchten, dass der Umsonstladen auch den Aktiven nutzt. Das ist unabhängig davon, ob jemand eine oder sieben Öffnungszeiten des Umsonstladens im Monat betreut. Für Aktive gilt genauso die Mengenbegrenzung und die Nutzung nur für den eigenen persönlichen Gebrauch. Prinzpiell steht allen Aktiven eine Grundversorgung zu, auch wenn wir sie bisher nur zu einem kleineren Teil schaffen können. Inzwischen sind es immerhin auch Kleinmöbel und Fahrrad-Selbsthilfe. Für die Wünsche der Aktiven haben wir unsere "Liste der Bedürfnisse". Dabei behandeln wir unsere Tätigkeiten nicht als Erwerbsquelle von Geld, sondern als Teil einer direkten gegenseitigen Hilfe. Damit helfen wir uns gegenseitig, die nötigen Dinge zu bekommen. Wir stellen uns auch intern weitere Dinge und Tätigkeiten geegnseitig zur Verfügung ("Gib und Nimm" - Liste).

  • 7.) Im Kleinmöbellager verkauft ihr in Hamburg ja doch etwas. Da weicht ihr vom 'Umsonst-Grundsatz' ab. Wie seht ihr das?

    Es gibt bei uns keinen Umsonst-Grundsatz in dem Sinne, dass wir allen Menschen umsonst Gutes tun wollen und können. Wir wollen nicht für Menschen umsonst arbeiten, die gelernt haben, nur zu nehmen. "Umsonst" und als Teil einer verabredeten gegenseitigen Hilfe können wir nur für und mit Leuten arbeiten, die das auch erklärtermaßen wollen und selbst praktizieren. Sonst würden wir unsere Energien caritativ verschleudern, ohne eine neue Wirtschaftsweise zu entwickeln.

    Die Aktiven vom Kleinmöbellager bitten die NutzerInnen um eine Spende zur Deckung der Kosten (für die Raummiete). Diese Spende liegt deutlich unter den Marktpreisen der entsprechenden Waren. Den Nutzerinnen wird erklärt, dass die Möbel nur für den persönlichen Gebrauch sind. Händler werden so gut es geht abgewiesen. Alle Aktiven der Projektgemeinschaft bekommen die Möbel umsonst. Somit erfüllt das Kleinmöbellager die Funktion, eine Warensorte dem Markt zu entziehen. Der nächste Schritt wäre, die Reparatur von Möbeln zu entwickeln. Das wird aber nur geschehen, wenn jemand von uns Lust dazu hat.

  • 8.) Gibt es viele Konflikte unter euch? Es kommen ja außerordentlich unterschiedliche Menschen bei euch als Aktive zusammen.

    Ja, es gibt immer mal Streitigkeiten zwischen Einzelnen. Sie ufern aber selten aus, weil uns eine eher praktische Grundlage verbindet. Zum einen sind wir inzwischen groß genug, dass sich zwei, die sich nicht mögen, gut aus dem Wege gehen könn(t)en. Ab und zu ist es nötig, dass eine dritte Person zwischen zweien vermittelt. Streit ist nichts absolut Schlechtes. Aber die Gruppe will sich nicht als “Austragungsfeld” für die Konflikte zwischen Einzelnen benutzen lassen. Wir sind keine Pschogruppe: Wenn jemand massive Probleme hat, können wir nur vorschlagen, sich professionelle Hilfe zu holen.

  • 9.) Etliche Leute streben ja nicht gerade nach Selbsthilfe und gegenseitiger Hilfe. Wie geht ihr mit dem Bedürfnis vieler NutzerInnen nach einer 'Sozialstation' und einer 'Aufwärmstube' um?

    Einige von uns haben angefangen, diese verbreiteten Bedürfnisse konsequent nicht mehr zu bedienen. Andere wollen gerne 'gut sein' und tun es noch. Dort wo möglich, kann den Betreffenden erklärt werden, dass das 'Abhängen' und 'immer nur zu nehmen' ihnen gar nicht gut tut

  • 10.) Seid ihr nicht faktisch eine 'Schrotthandlung' zur Verlängerung des krisenhaften Kapitalismus?

    Wir haben den Verwertungswahn und seine Krisen nicht geschaffen. Aber wir stellen uns praktisch dem Problem, wie, in welchen Schritten eine neue Wirtschaftsweise auf die Welt kommt. Dabei können wir die Warenfunktionen nur teilweise und schrittweise außer Kraft setzen und nicht mit einem Federstrich auf einmal. Es ist klar, dass das was wir machen, "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein" ist. Aber wir brauchen die jetzt möglichen Erfahrungen, wie selbstbestimmteres, demokratisches Wirtschaften ohne Waren und Geld funktionieren kann. Auch ist klar, dass wir den Bereich der "Produktion" bisher noch weitgehend unberührt lassen mussten. Aber wir beginnen uns da ranzutasten.

  • 11.) Wie kann Kritik praktisch werden? Was versteht ihr unter 'praktische Kritik der Erwerbsarbeit'?

    Es ist einfach genug geredet worden. Das 'Leiden an den Umständen' trifft viele von uns. Nur wenn wir Schritt für Schritt unsere wirkliche Lebenslage verbessern, können wir einen für uns selbst und unser Umfeld erkennbar attraktiven Lebenszusammenhang schaffen. Kritik, die nicht praktisch wird, kippt früher oder später um in ihr Gegenteil. Sie wird unfreiwillig zur 'kritischen' Begleitmusik des Bestehenden. Die Tätigkeiten, die wir gerne füreinander machen, tragen wir bewußt nicht mehr auf den Warenmarkt. Diese Tätigkeiten, die unser erkanntes Bedürfnis sind, schaffen eine freiwillige, gegenseitige Hilfe. Alle Projekte der Projektgemeinschaft zusammen drängen den allgewaltigen Markteinfluss ein Stück zurück. Dieser zunächst recht abstrakt erscheinende Gedanke "Eine-andere-Welt-ist- möglich" ist für uns erfahrbarer geworden.

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