Erfahrungen und Meinungen von Aktiven aus verschiedenen Projekten
1. Nina (Umsonstladen): „Man kriegt im Leben nichts umsonst.“ Im Mikrokosmos Lokale Ökonomie Altona schon.

Zum Umsonst-Laden kam ich durch eine pfiffige Werbeanzeige in der taz. Da stand es, schwarz auf gelb und absolut zutreffend : „Sie schleppen doch schon genug mit sich rum.“ Donnerwetter. Woher wussten die das? Es ließ mich nicht mehr los, ich machte mich auf nach Altona, um Antworten einzuholen. Neun Jahre und einige Öffnungszeiten später liegt die Antwort auf der Hand: Es geht uns allen so, ob jung oder alt, von Barmbek bis Blankenese: wir alle schleppen eine ganze Menge mit uns rum – so oder so.
Aus dem ehemals unerhört alternativen Stadtteil-Projekt ist mittlerweile eine richtige Hamburger Institution geworden. Besonders reizvoll am Projekt finde ich, dass Geben und Nehmen voneinander entkoppelt sind, also anders als etwa bei den Tauschringen. Ich sage mich von Dingen los, ohne die Gewissheit, ob vielleicht irgendwann einmal etwas dabei für mich „rausspringt“. Es ist also eine ganz grundlegende Entscheidung jedes Einzelnen, die Einsicht, dass man ein „Zuviel“ hat und das Wiederherstellen des Gleichgewichtes durch freiwillige Herausgabe. Ein Prozess, der mit anhaltender Übung immer leichter fällt und auch glücklich macht. Das Abstoßen von Ballast wird zu Recht als befreiend empfunden. Die Arme sind leichter und das Herz gleich dazu. Das gegenständliche Entrümpeln daheim findet seine Entsprechung im Kopf. Ich muss nicht immer alles haben und kontrollieren, für manche Dinge sind andere Menschen viel besser geeignet. Auch das ist so ein Punkt beim AK LÖK. Jeder hat seine Begabung: Der eine hat eine Engelsgeduld im Umgang mit den Nutzern, der andere ein gutes technisches Verständnis, ein dritter kann gut kochen. Das fördert den Austausch untereinander, jeder kann vom anderen lernen.
Der U-Laden und das Kleinmöbellager sind die Zugpferde des AK Lök. Zum einen ist der Großteil der Aktiven hier engagiert, zum anderen werden die meisten Menschen erstmals über diese Projekte auf den AK LÖK aufmerksam. Inzwischen gibt es beim AK LÖK eine ganze Reihe von Projekten, wie z.B. die Fahrradwerkstatt. Es werden Computer- und Rhetorikkurse angeboten, wer mag, kann in der Gartengruppe die Ärmel hochkrempeln. Der U-Laden ist ein wichtiges Teilprojekt, durch den viele der kleineren Projekte finanziert werden können. Dennoch verstehe ich die einzelnen Projekte als gleichberechtigt und wünsche mir, dass sie im Zusammenhang wahrgenommen werden: wie viele große und kleine Räder, welche die Maschine am Laufen halten. Jedes einzelne birgt Energie und Kreativität; die Lust, sich und den anderen etwas zuzutrauen und gemeinsam etwas auszuprobieren.
Ich freue mich, dass der Bekanntheitsgrad des U-Ladens im Laufe der Jahre sehr stark zugenommen hat. Es ist toll zu sehen, dass immer mehr Menschen dieses Angebot nutzen. Gleichzeitig sehe ich die Gefahr, dass durch den überwältigenden Zuspruch der U-Laden immer mehr in eine Rolle abdriftet, in der einzig Gegenstände verwaltet und umverteilt werden. Er wird zum gut funktionierenden Selbstgänger, verliert jedoch als Element zur Bewusstseinsveränderung des gesellschaftlichen Konsumverhaltens. Natürlich ist es im Sinne des Projektes, immer mehr Menschen für die Idee zu begeistern und für die Mitarbeit zu gewinnen. Durch zunehmende Projektgröße stellt sich jedoch auch eine nicht zu unterschätzende Routine ein. Der Kerngedanke des Projektes, nämlich einen Gegenpol zum marktwirtschaftlichen System herauszuarbeiten, gerät dabei zunehmend in den Hintergrund. Für mich persönlich ist es wichtig, dass unsere Nutzer aus allen sozialen Schichten kommen. Daher empfinde ich es als kritisch, dass Ämter und Behörden den U-Laden zunehmend Sozialhilfeempfängern empfehlen. Es erstaunt mich immer wieder, wenn Nutzer fragen, ob sie einen Bedürftigkeits-Nachweis vorlegen müssen. Nein! Natürlich nicht! Wir sind alle bedürftig, einzig die Art des Bedarfes ist verschieden. Während meiner Anfangszeit beim U-Laden habe ich eine Hauptaufgabe meiner Tätigkeit im Austausch und Kontakt mit den Nutzern gesehen. Im Zentrum unserer Arbeit sollte auch heute nicht allein der reine ‚Warenumschlag’ stehen, sondern vor allem auch das informative Gespräch mit den Nutzern. So macht beispielsweise die 3-Teile-Regel erst mit der entsprechenden Erklärung so richtig Sinn. Dass ich nicht alles zusammenraffe, nur weil es umsonst ist, sondern mir ganz bewusst überlege, was ich wirklich brauche und haben möchte. Selbstbestimmter Konsum, nicht konsumbestimmtes Selbst.
„The things I do possess – sometimes they own me too.“
Manchmal halten wir an den Dingen fest, weil sie einfach schon immer so waren oder man sie einst teuer erkauft hat. Dabei übersehen wir, dass wir unser Leben durch eine Anhäufung von Dingen nicht automatisch bereichern, sondern uns im Gegenteil viele Möglichkeiten verbauen. Sich loszusagen von Besitz, für den wir keine Verwendung mehr haben, zu dem wir keine Beziehung mehr haben, ist im Grunde nur logisch. Die Erfahrung, dass ich mich tatsächlich von Dingen trennen kann, ganz egal, wie lange ich sie schon gehortet habe und wie teuer sie einmal waren oder was ich heute noch dafür bekommen könnte. „Man kriegt im Leben nichts umsonst.“ Stimmt nicht. Das Leben an sich ist schon mal umsonst. Und den Rest kriegen wir auch noch hin.

2. Tonja (Umsonstladen): Ist der Hamburger Umsonstladen eine Sozialstation?

Was unterscheidet den Hamburger Umsonstladen eigentlich von einer Sozialstation, dem Roten Kreuz oder der Bahnhofsmission? Auf den ersten Blick: NICHTS!
Denn die Idee, die hinter dem Projekt steht, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Es kommt vor, das Menschen, die das erste Mal zu uns in den Laden kommen ihren Sozialausweis mitbringen um zu zeigen, dass sie ‚bedürftig’ sind. Dies ist für beide Seiten peinlich. Einer unserer Grundsätze lautet, dass wir die Menschen nicht nach ihrem Einkommen unterscheiden. In den Umsonstladen darf jede/r kommen und keine/r muss sich für das was er/sie ist rechtfertigen. Wer zu uns kommt, bekommt Dinge die er/sie brauchen kann, geschenkt. Menschen, die uns die Dinge bringen wissen, dass sie an Leute weitergegeben werden, die diese brauchen können. Oft wird damit verbunden, dass diese Menschen bedürftig sind. Also eine Sozialstation! Viele, die zu uns kommen sind mit dieser Ansicht über den Umsonstladen zufrieden und (be-)nutzen ihn so. Doch uns geht es um mehr
Und dieses MEHR ist nicht immer einfach zu vermitteln. Vielleicht liegt es auch daran, dass es unter uns keinen Konsens darüber gibt. An diesem Punkt stehen wir zur Zeit. In der Diskussion über unser Selbstverständnis sind wir dabei, uns genau darüber auszutauschen. Eine Folge dieser Diskussion ist, dass unser Selbstverständnispapier neu überarbeitet wird. Diese überarbeitete Version kann jeder mitnehmen, der zu uns in den Laden kommt. Unter den Nutzern sind nämlich immer einige, die sich für die Philosophie des U-Ladens interessieren, es lesen und verstehen. Für die sind wir dann keine Sozialstation mehr… Der Hamburger Umsonstladen und „seine“ Projekte im Wandel
Die Entstehung des ‚U-Ladens’ in Hamburg liegt nun schon mehr als 10 Jahre zurück. Schon damals war er als Verbund von Projekten gedacht, um sich gegenseitig zu unterstützen. Zu Beginn des U-Ladens gab es nur zwei Öffnungszeiten in der Woche. Neben dem U-Laden existierten im Mai 2000 eine Theorie-, eine Koch-, eine Entspannungs- und eine Reparaturgruppe, sowie PC und Internet Lehrgänge und die Sozialberatung. Die Computerlehrgänge wurden nach kurzer Zeit u.a. deswegen eingestellt, weil der Kursleiter nicht damit einverstanden war, dass der U-Laden immer mehr Raum beanspruchte, sprich die Computer im wahrsten Sinne des Wortes mit Dingen verbaut wurden. Eine Zeit lang nahmen wir defekte Elektrogeräte an, die von der Reparaturgruppe repariert und gegen eine dem Aufwand entsprechende Spende weitergegeben wurden. Dieses Projekt wurde aus zwei Gründen eingestellt. 1.) Die Reparaturgruppe arbeitete so selten, dass sich in der eh schon kleinen Küche die kaputten Geräte stapelten. 2.) Die beiden Leute aus denen die Reparaturgruppe bestand hielten keinen zuverlässigen Kontakt zur Gesamtgruppe.
Nach dem Umzug in größere und hellere Räume in eine zentralere Lage, sind viele neue Leute hinzugekommen, die sich bis heute bei uns engagieren. Dies ermöglichte uns, die Öffnungszeiten des U-Ladens zu erweitern. Inzwischen haben wir an vier Tagen in der Woche geöffnet. Es kamen weitere Projekte hinzu. Das Kleinmöbellager wurde gegründet, damals noch in einem Kellerraum am anderen Ende der Stadt. Heute befindet es sich in unmittelbarer Nähe in derselben Straße wie der U-Laden. Die Fahrradwerkstatt entstand. Es gab eine Nähwerkstatt, die allerdings wieder aufgelöst werden musste, als die Initiatorin des Projektes bei uns aufhörte und es niemanden gab, der/die es weiterführen wollte. Heute gibt es stattdessen die Kreativwerkstatt. Eine Zeit lang gab es auch jemanden bei uns, der kostenlos Haare geschnitten hat. So veränderten sich die Projekte im Laufe der Zeit. Welche kamen dazu oder hörten auf. Leute kamen hinzu oder hörten auf, was dazu führte, dass sich die Projekte veränderten.
Heute haben wir viele weitere Ideen für neue Projekte, die wir verwirklichen möchten, wenn sich Leute finden, welche diese Ideen auch in die Tat umsetzen. Angedacht ist beispielsweise ein eigener Garten zum Gemüseanbau. Das Gemüse würde dann allen Leuten aus den Projekten zugute kommen. Auch eine Werkstatt (Holz / Metall) um selbst etwas reparieren oder herstellen zu können, ist geplant. Dies sind derzeit die Ideen, an denen wir tüfteln. Mal sehen, was dabei herauskommt. Es bleibt spannend. Projekte im Wandel, denn nur wer sich verändert bleibt sich treu.

3. Karl-Heinz (Kleinmöbellager): Wie kommt mensch von einem Umsonstladen zu einem Wirtschaften ohne Tauschen?

Der Plan war, mit den Erfahrungen eines Umsonstladens Menschen zur Selbsthilfe und gegenseitigen Hilfe zu aktivieren. Der Plan ist gescheitert. Vielleicht war der Ansatz über einen Umsonstladen falsch.
Denn der Begriff Hilfe zieht besonders Menschen mit einem Helfersyndrom und Menschen in Not an, schafft also Hierarchien, eine Voraussetzung für Marktwirtschaft, die auch die Freiheit des Individuums einschränkt. Wirtschaften ohne Tauschen setzt jedoch voraus, dass sich Menschen auf gleicher Augenhöhe begegnen, offen sind für den Anderen, das Andere gelten lassen. Sie geben etwas ab, weil sie etwas zu viel haben und sich dem anderen zugetan fühlen, nicht weil sie über dem anderen stehen oder etwas dafür haben wollen. Kein Zweifel, viele solcher offener Menschen machen in einem Umsonstladen mit, sind aber auch wieder gegangen, weil sie sich auf Hilfe und Tausch nicht einlassen wollten, genauer: weil die autoritären (hierarchischen) Verhaltensweisen solcher Menschen ihnen den Spaß an der Sache verdarben.
Also ist nur eine bestimmte Art von Menschen für das Wirtschaften ohne Tauschen geeignet? Wir wollen kein Schiedsrichtergremium, das die Menschen in geeignete und ungeeignete einteilt. Aber die Natur hält für ein solches Problem ein wirksames Mittel bereit, das in einigen Umsonstläden für Teilprojekte auch schon angewandt wird: Jede Gruppe entscheidet souverän, wer bei ihr mitmacht, genauer: Menschen, die sich sympathisch finden, finden zusammen. So könnte auch ein Teilprojekt in einem Umsonstladen heißen "Wirtschaften ohne Tauschen".
So könnte z.B. eine Gruppe zusammenfinden, in der gewährleistet ist, dass bestimmte regelmäßig wiederkehrende Bedürfnisse auf gleicher Augenhöhe (die Freiheit des andern respektierend) befriedigt werden: Babysitting, Gardinen nähen, Fahrrad reparieren, Sport treiben (weil es den Betreffenden Spaß macht). Diese Posten im Haushaltsbudget eines jeden einzelnen würden dann entfallen. Das ist etwas anderes, als wenn man sich in seinem Bekannten- und Freundeskreis mal aushilft. Dort ist eine solche Tätigkeit immer damit verbunden, dass irgendwann eine Gegenleistung erwartet wird. In der genannten Projektgruppe ist das nicht der Fall, weil mensch nur aus Spaß tätig wird (also auch "nein" sagen kann) und durch ein strahlendes Lächeln schon befriedigt ist. Es wird etwas abgegeben, weil eineR etwas zu viel hat. Also ist der Ansatz über einen Umsonstladen doch nicht so falsch.

4. Ralf (Kleinmöbellager): Wie viel ist genug?

Ein Umsonstladen ist eine tolle Sache. Kritik an dieser Idee habe ich selten vernommen. Es gibt allerdings auch einige hässliche Begleiterscheinungen. Dinge bekommen zu können ohne dafür zu zahlen, lockt auch ein Publikum an, das kein Maß zu kennen scheint, denn auch unser ‚Warenangebot’ verführt gewissermaßen zum Konsum ohne ökonomische Beschränkung. Wie viel jemand braucht, ist eine Frage die sich jede/r nur selbst beantworten kann, nur sollte sie gestellt werden. Dabei geht es hier nicht um Mangel, denn die Popularität unserer Läden beschert uns vor allem bei Kleidung und Büchern einen wahren Überfluss.
Einige unserer Nutzer kommen jeden Tag und versuchen möglichst viele Produkte mitzunehmen, dies führte zu unserer drei Teile Beschränkung. Darüber hinaus sind unsere Besucher sehr vielfältig und oft lässt sich über die Projektidee leicht ein Gespräch entwickeln: -wie hast du uns gefunden, - was willst du, wer sind wir, was wollen wir? In diesen Gesprächen, nicht in der Darreichung der vermeintlichen Ware kommt es oft zu wertvollen Kontakten die unser, nehmen und geben sinnvoll unterstützen.
Durch meine jahrelange Tätigkeit in den Läden und unsere wert- und konsumkritischen Diskussionen bei den Projekttreffen, hat sich in mir ein Wandel vollzogen. Heute kann ich den Nutzen der Dinge deutlicher von dem Wunsch „zu besitzen“ unterscheiden. Eine veränderte Wahrnehmung, die im nächsten Schritt auch eine ökonomisch - e Werteinschätzung mit sich brachte, die mich zu einem bewussteren Konsumenten machte. Mein Hausstand besteht mittlerweile nur noch aus Dingen aus unseren Projekten. Ich bin bedient! Vielleicht daher die falsche Bescheidenheit, ich lebe im Überfluss! Diese Lernfähigkeit möchte ich auch anderen zugestehen und sehe hierin einen wertvollen Aspekt, den Umsonstläden mit sich bringen könnten.
Dazu erscheint es mir allerdings wichtig, über das reine Betreiben eines Ladens hinaus, auch Raum zu schaffen, in dem eine intellektuelle und politische Ausein-andersetzung mit unserem Wirtschaftssystem möglich ist. Einen Raum in dem weit wichtigere Bedürfnisse als reines Konsumieren befriedigt werden können, in dem Begegnungen und Gespräche statt finden und Verabredungen zur gegenseitigen Hilfe getroffen werden. Sonst bleibt ein Umsonstladen lediglich ein kleines Warenhaus, das vom Überfluss der Gesellschaft gespeist, Konsumgüter in Umlauf hält.

5. Sonja (Umsonstladen): Am Umsonstladen … bin ich ein Jahr vorbeigelaufen, auf dem Weg zur Arbeit und zurück.

An einem Freitagnachmittag haben mich dann doch die Bücherkisten vor dem Laden gereizt, und ich bin reingegangen. Drinnen herrschte eine gemütliche, etwas chaotische Atmosphäre. Ein munteres Durcheinander von Gegenständen, Bekleidung und Büchern türmte sich auf einem Tisch, Frauen saßen an einem anderen, tranken Kaffee, begrüßten mich freundlich und erklärten mir die Räumlichkeiten.
Ich ging stöbern - und kam wieder. Gespräche mit den Frauen blieben nicht aus, und nach einem halben Jahr fand ich es nicht mehr richtig, nur Nutznießer dieser Einrichtung zu sein. Auf meine Anfrage wurde ich zum monatlichen Treffen eingeladen und kam in die Dienstagsschicht. Auf Probe. Ich hielt diese Vorgehensweise für richtig, denn man muss ja erst einmal sehen, ob man in der „Schicht“ (Betreuung der jeweiligen Öffnungszeit) zusammenpasst. Auch von Seiten der Aktiven ist es wichtig zu sehen, wie der Neuling zur Gruppe passt und wie er mit den Nutzern umgeht. Da es von beiden Seiten wohl gut lief, bin ich immer noch dabei und freue mich jeden Dienstag auf die Leute in meiner Schicht.
Der Umgang in der Gruppe ist ein wichtiges Thema, wenn auch manchmal etwas lästig. Das monatliche Treffen vom Umsonstladen war am Anfang für mich eine Überwindung, besonders wenn lange über ein Thema gesprochen wurde, dass in meinen Augen sehr viel kürzer abgehandelt werden konnte. Aber einige Aktive haben mir dann erzählt, dass es früher schlimmer war. Jetzt kenne ich die meisten Aktiven und freue mich darauf, sie wenigstens einmal im Monat zu sehen. - Zu lange Ausschweifungen machen mich aber immer noch kribbelig.
Wichtige Themen sind für mich die gegenseitige Hilfe und der gegenseitige Respekt. Es ist schön, einen großen Kreis von Leuten zu haben, die man anrufen kann, wenn man Hilfe braucht oder irgendwas gehört hat, was anderen nützlich sein könnte. Gegenseitiger Respekt gehört dazu, weil alle so unterschiedlich sind. Man kann, wenn man will, viel voneinander lernen.
Natürlich ist das nicht immer möglich. Manchmal entwickelt sich ein Mensch, der bei uns aktiv sein möchte, im Umgang in eine nicht so angenehme Richtung. Da muss man dann sehen, ob man auf lange Sicht einen Teil seiner Freizeit mit diesem Menschen verbringen möchte, dem man immer wieder dasselbe sagen muss.
Ein anderes Thema sind die Nutzer und ihr zum Teil merkwürdiges Verständnis vom Umsonstladen. Immer wieder werden wir darauf angesprochen, dass der Laden „nur für arme Leute“ sei. . Dann müssen wir erklären, dass dem nicht so ist und dass die Idee eine ganz andere ist. Besonders manche, die darauf pochen, ‚sozial schwach’ zu sein, beschweren sich gern, nehmen aber ebenso gern die Spenden, die von Leuten mit mehr Geld vorbeigebracht werden. Einige Menschen kommen, hinterlassen ein Chaos im Bekleidungsraum, versuchen große Mengen mitzunehmen und schmeißen (!) uns 3 Cent auf den Spendenteller. Das ist respektlos, denn sie würdigen in keiner Weise unsere Arbeit, zu der auch das Aufräumen gehört.. Da muss man dann schon ein dickes Fell haben. Und wenn es gar nicht mehr geht, sprechen wir auch schon mal ein Hausverbot aus.. Grenzen setzen, das kann man hier lernen. - und auch, wie viel den Nutzern der „U-laden“ und die Aktiven bedeuten. Da gibt es Nutzerinnen, die mit aufräumen (meist mit Migrationshintergrund) und andere, die Leckereien vorbeibringen. - und - jeder Dienstag ist anders. Mal sehen, was der nächste bringt!
Danke an die Mädels von der Freitagsschicht. Ohne Euch wäre ich nie auf die Idee gekommen, einem Verein beizutreten (dem ersten in meinem Leben).

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Hamburg, Juni 2009